Behindert sein oder behindert werden?

Die Bedeutung von Medien für Inklusion

Thema

Die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigung in Regelschulen, aber auch in der Gesellschaft im Allgemeinen, stellt ein Menschenrecht dar. Dieses Modul verfolgt das Ziel, Vielfalt mit dem Fokus auf Beeinträchtigung als „Normalfall“ der Gesellschaft zu zeigen. Die Schüler-Innen sollen mittels möglichst inklusiver, lebensweltnaher und schülerorientierter Materialien selber Bilder von Menschen mit Beeinträchtigung im Laufe der Jahrhunderte recherchieren, sich mit verschiedenen Biographien auseinandersetzen und aktuelle mediale Darstellungen kritisch hinterfragen. Neben Bildern von und über Menschen mit Beeinträchtigung werden auch Perspektiven von Menschen mit eingebunden, die von Behinderung betroffen sind.

***Dieses Gesamtmodul steht als pdf-Datei unter einer Creative Commons Lizenz by-nc-nd zur Weitergabe bereit.***

Lehrplanbezug

Behinderung, Umgang mit behinderten Menschen, Behinderung durch Sinnesschädigung, Die Welt anders wahrnehmen, Identität und Rolle, Mensch und Gemeinschaft; Anderssein, Zusammenleben, Diskriminierung, Ausgrenzung und Toleranz; Leben in und mit Vielfalt in historischer Perspektive, Euthanasie; Chancen, Grenzen und Risiken von Medien

Erwartete Kompetenzen:

  • sich in die Situation und Perspektive anderer versetzen können (Mehrperspektivität)
  • Kompetenz, in heterogenen Gruppen erfolgreich und selbstständig zu handeln
    (Sozialkompetenz)
  • Identität und Lebensgestaltung im Wandel der modernen Gesellschaft: personale Identität und persönliche Lebensgestaltung im Spannungsfeld von Selbstverwirklichung und sozialen Erwartungen; Entwicklung und Begründung eigener Positionen
  • kritische Analyse sprachlicher Konstrukte; Erkennen von Diskriminierungsmechanismen und Übertragen auf andere Formen der Diskriminierung; Entwickeln individueller Werturteile mit Respekt gegenüber anderen;
  • moderne Medien (Internet) mit historischen Inhalten untersuchen (Medienkompetenz);

Wertvorstellungen historischer Akteure reflektieren, Handlungsalternativen im historischen Kontext diskutieren, Verständnis für das zeitlich andere entwickeln

Didaktische Perspektive

Zu Beginn dieses Moduls soll der hier zentrale Begriff der „Inklusion“ erläutert und von anderen für den Diskurs relevanten Begriffen abgegrenzt werden. „Inklusion“ meint die Einschließung [includere (lat) = einschließen] und ergo Einbeziehung aller Menschen. Allgemein steht soziale Inklusion für (das Recht auf) Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in allen Bereichen, wobei Anerkennung, Wertschätzung und Partizipation(-smöglichkeiten) hierbei von Bedeutung sind.

Auf den schulischen Kontext übertragen bedeutet dies, dass alle SchülerInnen mit und ohne Beeinträchtigung (begriffliche Abgrenzung zu „Behinderung“ – siehe unten) zusammen unterrichtet werden und der Fokus auf jede einzelne Persönlichkeit gelegt wird. Eine individuelle Förderung jedes Kindes, das mit all seinen Facetten wahrgenommen wird, ist ein wesentlicher Bestandteil. Ziel ist die Überwindung des Zwei-Klassen-Systems im Bildungswesen. Dem zugrunde liegt das enge Verständnis von Inklusion, welches keine weiteren Diversitätsmerkmale miteinschließt. Es bildet die Basis für das vorliegende Modul.

Ein inklusiver Unterricht liegt dann vor, wenn alle Lernausgangslagen und Lernstile der SchülerInnen Berücksichtigung finden und das mit- und voneinander Lernen in der Gruppe durch die Lehrkräfte gefördert wird. Ferner muss sich mit der Vielfalt im Klassenzimmer auseinandergesetzt, diese anerkannt und die Teilhabe aller fokussiert werden. Notwendig sind ferner ausreichende Personalschlüssel, Finanzierung und Ausstattung mit Sachmitteln, die Klärung jedes Einzelnen hinsichtlich seines/ihres Standpunktes zur Inklusion, Teamarbeit der Lehrkräfte einschließlich guter Kommunikation und die Binnendifferenzierung als Ergänzung zum zieldifferenten Lernen. Hinzu kommen das Entwickeln einer Lernkultur zur Schaffung von Rahmenbedingungen für ein motiviertes, erfolgreiches Lernen, die Förderung sozialer Kontakte in der Klasse, das Lernen von- und miteinander durch heterogene Lerngruppen, Beobachten der Lernprozesse der SchülerInnen bei Zurückweisung einer bloßen Ergebnisfokussierung, das Ermöglichen individueller Lernwege, das Nutzen verschiedener Aufgabenformate und Differenzierungen bspw. im Rahmen von Operatoren, Multimedialität und Sozialformen sowie ein gemeinsames Festlegen individueller Lernziele und Förderpläne.

Davon ausgehend berücksichtigt dieses Modul verschiedene Sozialformen, die auch die Zusammenstellung heterogener Arbeitsgruppen ermöglichen, wobei die Interessen der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt werden. Durch eigene durchzuführende Recherchen der SchülerInnen und die frei wählbaren Präsentationsmethoden können individuelle Stärken und Schwächen berücksichtigt werden. Bei der Auswahl der Videos wurde auf eine sinnvolle Untertitelung Wert gelegt, die hörbeeinträchtigten SchülerInnen entgegenkommt. Zudem sind insbesondere die ersten beiden Videos leicht verständlich. Zum besseren Verständnis liegt die Kernaussage des dritten Videos als Transkript im Ablaufplan vor, sodass es bei ihrer Diskussion keine Probleme geben sollte. Die zwei Varianten der dritten und vierten Stunde entsprechen einem leicht zugänglichen, grundlegenden Niveau mit starker Schüler- und Lebensweltorientierung (Version A) bzw. einem höherschwelligeren Zugang mit dem Fokus auf Medienkritik (Version B). Die Lehrkraft kann hier entscheiden, welche Variante für ihre Lerngruppe geeigneter erscheint. Da beide Versionen thematisch recht ähnlich sind, ist mit kleineren Abänderungen auch eine Kombination beider möglich.

Ein Lernziel dieses Moduls ist das Sensibilisieren für die Thematik Inklusion und Beeinträchtigung/Behinderung. Es soll ein möglichst realitätsnahes, buntes, vielseitiges und nicht auf Leid reduziertes Bild gezeigt werden, wie es schon in vielen Schulbüchern und anderen Medienformaten vorkommt. Daher werden zumeist (aber nicht ausschließlich) positive Beispiele angeführt (sei es Personen oder Produktionen). Dieser Aspekt ist für alle SchülerInnen sinnvoll, um den bisherigen, oftmals negativ konnotierten Darstellungen entgegenzuwirken. Darüber hinaus mangelt es betroffenen SchülerInnen häufig an positiven Beispielen und Identifikationsmöglichkeiten.  Beeinträchtigung ist ein Teil von Vielfalt und ergo analog zur Migration ein „Normalfall“ gesellschaftlicher Diversität.

Hinweis: Es muss nicht zwangsläufig diese Stundenstruktur eingehalten werden. Es kann förderlich sein, den SchülerInnen mehr Zeit und Freiraum zu geben, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Dieses Modul kann fächerverbindend unterrichtet werden, was die curriculare Verortung und die einzelnen zu bearbeitenden Aspekte aus den Bereichen Geschichte, Sozialkunde und Ethik/Religion ermöglichen.

Sie können auch die gesamte Materialsammlung zusammen mit dem kompletten Text dieser Unterrichtseinheit herunterladen.

Download des Moduls