Grüße aus der Neuen Welt

Auswanderung im 19. Jahrhundert – Einwanderung in der Gegenwart

Thema

In diesem Unterrichtsmodul setzen sich die Schülerinnen und Schüler (SuS) mit der Perspektive von deutschen AuswanderInnen auseinander, die im 19. Jahrhundert in die „Neue Welt“, hier die USA, gingen und reflektieren ihre Erkennisse vor dem Hintergrund heutiger Einwanderung, insbesondere aufgrund von Fluchtbewegungen. Am Ende soll deutlich werden, dass es sich bei Migration weder um ein modernes Phänomen, noch um eine Ausnahme, sondern um einen Normalfall der Geschichte handelt.

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Lehrplanbezug

Globale Migration, Demografischer Wandel; Europa wandelt sich: Industrielle Revolution; Neue weltpolitische Koordinaten: USA – Aufstieg zur Weltmacht; Fremdsein in welthistorischer Perspektive; Chancen und Probleme der Internationalisierung und Globalisierung; Identität und Lebensgestaltung im Wandel der modernen Gesellschaft; Individuum und Gesellschaft, Wertvorstellungen und Wertekonflikte, Zusammenleben und Gemeinsinn

Erwartete Kompetenzen:

Das Unterrichtsmodul fördert die Deutungs-, Analyse-, Methoden-, Urteils- und Orientierungskompetenzen sowie Medien- und Sozialkompetenzen der SuS.

Zusammenhänge zwischen Ereignissen sowie Strukturen erkennen und rekonstruieren, historische Entwicklungen und Prozesse sachgerecht beschreiben; Informationen und Wertungen in digitalen Bildungsmedien und anderen Darstellungen kooperativ erschließen und vergleichen, in Diskussionen Sach- und Werturteile verwenden und reflektieren, geschichtskulturelle Darstellungen analysieren, moderne Medien (Internet) mit historischen Inhalten untersuchen; Informationen aus Textquellen entnehmen und prüfen, Quellen von Darstellungen unterscheiden, Kriterien der Quelleninterpretation erarbeiten, Reisebeschreibungen und Autobiografien als Quellen erkennen und interpretieren, multiperspektive Quellen vergleichen, Ergebnisse mit neuen Medien darstellen und präsentieren; Sach- und Werturteile unterscheiden, Werturteile formulieren und diskutieren, Wertvorstellungen historischer Akteure reflektieren, Handlungsalternativen im historischen Kontext diskutieren, Verständnis für das zeitlich andere entwickeln, in einer Pro- und Kontra- Diskussion Standpunkte zu historischen Problemen einnehmen und reflektieren, ausgehend von Menschen- und Bürgerrechten menschliches Handeln in der Geschichte beurteilen.

Didaktische Perspektive

Den Ausgang des Moduls bildet eine möglichst authentische Problemsituation, die mit dem Alltagsleben der SuS verknüpft und im Kontext gegenwärtiger gesellschaftspolitischer Debatten verortet ist. Im Zentrum steht dabei der scheinbare Widerspruch (kognitive Dissonanz) von „Auswanderung im 19. Jahrhundert“ und „Einwanderung von Flüchtlingen bzw. Geflüchteten[1] in der Gegenwart“. Aus diesem wird die Leitfrage des Moduls sowie das weitere Vorgehen des angestrebten Vergleichs entwickelt.

Es folgt eine längere Arbeitsphase, die sich über mehrere Stunden streckt. Dabei bildet die didaktische Zugangsweise der Differenzierung[2] den Schwerpunkt, die jedoch durch Problemorientierung, Exemplarität und strukturelles Lernen ergänzt wird. Als methodisches Arrangement bietet sich ein umfassendes Gruppenpuzzle an, eine Methode kooperativen Lernens (siehe z.B. http://vielfalt-lernen.zum.de/wiki/Gruppenpuzzle_(Methode)). In dessen Kern steht eine umfassende ExpertInnengruppenphase, deren Schwerpunkt Multiperspektivität ist. Die Gruppen werden anhand von einigen Auswandererschicksalen des 19. Jahrhunderts gebildet, die die (SuS) nun begleiten sollen. Mit Blick auf die Gruppenzusammensetzung gibt es die Möglichkeit, die Jugendlichen nach Interesse am jeweiligen Auswandererschicksal wählen zu lassen oder die Gruppen anhand verschiedener Anforderungsniveaus zu bilden. Im Zentrum der Aufgaben steht die Untersuchung der Auswandererschicksale. Dabei geht es um die quellenkritische Analyse in Form von „Quellensteckbriefen“ und das inhaltliche Herausarbeiten von Ursachen, Motiven, Auslösern, Mitteln, Wegen, Bedingungen, Ankunft und Integration. Als Ergänzungs- oder Sprintermaterialien stehen Quellen zur Verfügung, die die Perspektive des Auswanderungslandes sowie die Perspektive des Aufnahmelandes bieten. Dies erweitert die Multiperspektive und lässt die langfristigen Folgen der Migration erahnen.

Anschließend werden Zahlen, Daten und Fakten zur Einwanderung von Geflüchteten in der Gegenwart erarbeitet, um eine Basis für den folgenden Vergleich zu haben. Gemeinsam sollen dann die Migrationen von damals und heute gegenübergestellt und die Vergleichbarkeit beurteilt werden. Ausgehend von den Ergebnissen von Erarbeitung und Vergleich erarbeiten die SuS dann ein fiktives Schreiben eines Auswanderers bzw. einer Auswanderin in der Gegenwart, in dem sie insbesondere das Ankommen und Einleben aus dieser Perspektive reflektieren.


[1] Um für einen sensiblen Gebrauch der Sprache anzuregen, wird heute vielfach die Bezeichnung  „Geflüchtete“ anstelle von „Flüchtlinge“ bevorzugt. Die Bezeichnung „Flüchtling“ wird heute zum Teil als diskriminierend angesehen. Er wird jedoch noch im Rahmen gesetzlicher Regelung (z.B. Genfer Flüchtlingskonvention) und im allgemeinen Sprachgebrauch weiterhin verwendet.

[2] Differenzierung bezeichnet hier die didaktische Zugangsweise, die bestimmt, „auf welche Art und Weise das Lernen zum Sachgegenstand grundsätzlich organisiert werden soll. Sie ist dabei abhängig von der Struktur der zu vermittelnden Kenntnisse (und der Entscheidung für eine entsprechende Thematisierung).“ (Cultus e.V. http://cultusev.de/cms2/front_content.php?idcat=47)

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