Vorurteile gegen Flüchtlinge

Mit Fakten gegen Hass und Ausgrenzung

Thema

Weltweit waren laut UN im Jahr 2017 über 68 Millionen Menschen vor Krieg, Armut und Elend auf der Flucht. Viele Menschen fliehen nach Europa. So stieg die Zahl der Asylanträge in Deutschland während des als Flüchtlingskrise bekannten Zeitraums (besonders in den Jahren 2015 und 2016) stark an. Nicht alle Menschen sind gegenüber Geflüchteten[1] positiv eingestellt. Vorurteile aufgrund von Unkenntnis und Ängsten sind weit verbreitet und können sich – besonders in den sozialen Netzwerken – schnell zu einer Welle von Hass gegenüber Schutzsuchenden entwickeln. Ziel des Moduls ist es, Schülerinnen und Schüler (SuS) dazu zu befähigen, Vorurteile gegenüber Geflüchteten erkennen und diese durch Fakten entkräf­ten können.

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[1] Um einen sensiblen Sprachgebrauch anzuregen, wird heute häufig die Bezeichnung „Geflüchtete“ anstelle von „Flüchtlinge“ bevorzugt. Die Bezeichnung „Flüchtling“ wird teilweise als diskriminierend angesehen. So weist die Gesellschaft für deutsche Sprache darauf hin, dass die Verwendung des Ableitungssuffixes –ling für eine Person steht, für die ein bestimmtes Merkmal charakteristisch ist. Viele Worte, die mit diesem Suffix gebildet werden, sind negativ konnotiert, wie beispielsweise Eindringling oder Emporkömmling. Im Rahmen gesetzlicher Regelung, internationaler Konventionen (z.B. Genfer Flüchtlingskonvention) und im allgemeinen Sprachgebrauch herrscht allerdings weiterhin der Begriff „Flüchtlinge“ vor.

Lehrplanbezug

Ich und die anderen; Gleiches Recht für alle; die Grenzen meiner Freiheit; Pflichten mir selbst und anderen gegenüber; Verantwortung; Solidarität; Vorurteile; Respekt; Leben in einer transkulturellen Gesellschaft.

Erwartete Kompetenzen

Empathie; Perspektivwechsel; Argumentations- und Urteilkompetenz; Reflexionsfähigkeit; Sozialkompetenz; Medienkompetenz.

 

 

Didaktische Perspektive

Ziel des Moduls ist es, den SuS durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht Fakten zu vermit­teln, um Vorurteilen die Grundlage zu entziehen. Es wird erklärt, was Vorur­teile sind und wie sie sich auf unser Leben auswirken. Die zu erarbeitenden Informationen über Geflüchtete helfen den SuS, eine eigene Meinung zu bilden und ggf. Vorurteile zu entkräften.

In den ersten beiden Unterrichtsstunden werden verschiedene Vorurteile gegenüber Geflüchteten anhand von fiktiven Facebook-Kommentaren in einem Arbeitsblatt dargestellt. Die Kommentare stellen Aussagen auf der Grundlage von falschen Informationen dar, die im Internet verbreitet werden. Dieser Einstieg weckt das Interesse der SuS, da der Umgang mit sozialen Netzwerken häufig ein wichtiger Bestandteil ihrer Lebenswelt ist. Die SuS nehmen Stellung zu diesen Aussagen, reflektieren ihre individuellen Wahrnehmungen, problema­tisieren und hinterfragen die Posts. Anschließend erarbeiten sie sich mit Hilfe eines Sach­textes einen ersten Einblick ins Thema. Die SuS erfahren, dass Vorurteile vorgefasste und häufig nicht auf eigenen Erfahrungen aufbauende Meinungen gegenüber Gruppen oder Einzelpersonen, die diesen Gruppen angehören, sind. Außerdem lernen sie, dass Vorurteile gegen Grundsätze der Vernunft, Gerechtigkeit, Mitmenschlichkeit und gegen die im Grund­gesetz verankerte Menschenwürde verstoßen.

Das Erstellen einer Mindmap, die auf dem Sachtext aufbaut, fördert das strukturierte Denken, indem die SuS das Wissen zum Thema aktivieren, erweitern und organisieren. Zusätz­­liche Informationen über Geflüchtete werden durch Informationskarten vermittelt. So werden Vorurteile durch Fakten entkräftet. Dies befähigt die SuS dazu, auf die Kommentare aus der Einstiegsstunde mit fundierten Gegendarstellungen reagieren zu können. Zur Sicherung und Erweiterung des Wissens geht ein Video auf weitere Vorurteile ein.

In der nächsten Stunde wird ein Text zum Thema “Wie wirken Vorurteile?“ bearbeitet, anhand dessen sie lernen wie sich Vorurteile auf unser Leben auswirken und dass sie häufig Ergebnis eines Mangels an Informationen sind. Die SuS ergänzen die Mindmap mit neu gewonnen Einsichten und sichern gleichzeitig das Wissen. Durch eine Diskussion mit der Kugellagermethode reflektieren die SuS, aufbauend auf ihrem neu erworbenen Wissen, was sie gegen Vorurteile tun können. Diese Methode hilft ihnen, die eigene Meinung zu äußern und die Gedanken zu ordnen. Die Lehrkraft informiert sie über Maßnahmen die ergriffen werden können, um Vorurteilen vorzubeugen.

In der vierten, fünften und sechsten Stunde setzen sich die SuS in Gruppen mit bildlich darge­stellten Vorurteilen auseinander und recherchieren nach Informationen, um Gegen­bilder zu erstellen. Hierzu wird ihnen Freiraum für Kreativität gewährt, so können entweder eine visuelle Antwort auf das Vorurteil oder auch ein Rollenspiel entwickeln. Durch die Auseinandersetzung mit dem Vorurteil und den Fakten lernen die SuS, Vorurteile zu erkennen, zu analysieren und zu bewerten. Zusätzlich wird die Fähigkeit, sich selbstständig und kritisch mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinanderzusetzen und darüber zu reflektierten gefördert.

Sie können auch die gesamte Materialsammlung zusammen mit dem kompletten Text dieser Unterrichtseinheit herunterladen.

Download des Moduls