Weißsein aus Schwarzer Perspektive

Auseinandersetzung mit Herrschafts- und Rassismuskritik

Thema

Schwarzsein in Deutschland als Bildungsinhalt? Untersuchungen z.B. unserer Schulmaterialien legen dar, dass selbstverständliche Abbildungen und die Geschichte(n) von Schwarzen Menschen in Deutschland - ebenso wie von People of Color - meist noch fehlen. Statt dessen wird Wissen in Traditionen von Diskriminierungen als ausschließendes und Macht sicherndes Herrschaftsmittel reproduziert. Herrschaftsunkritisches Wissen wird so aufgrund von Versäumnissen an den Ansprüchen des Auftrags von Schule und Bildung reproduziert und immer wieder neu imaginiert und konstruiert. Dieses Unterrichtsmodul hält Unterrichtsmaterialien bereit, die dabei helfen, dieses Diskriminierungsmerkmal und die Behinderung der Zugänglichkeit[1] abzuschaffen. Es soll Bildungsbegleiter*innen und Schüler*innen dazu anregen, sich kritisch mit Weißsein auseinanderzusetzen.

***Dieses Gesamtmodul steht als pdf-Datei unter einer Creative Commons Lizenz by-nc-nd zur Weitergabe bereit.***


[1] So umfasst z.B. das Recht auf Bildung vier empirisch überprüfbare Bestandteile: availability (Verfügbarkeit), accessibility (Zugänglichkeit), acceptability (Akzeptierbarkeit) und adaptability (Anpassungsfähigkeit). Das 4A- Schema stammt von Katherina Tomasevski (erste UN-Sonderberichterstatterin zum Recht auf Bildung) und wurde 1999 auch in den Allgemeinen Kommentar ('general comments') des Sozialpaktausschusses der Vereinten Nationen aufgenommen. Vgl. http://www.unesco.de/wissenschaft/menschenrechte/mr-zustaendigkeiten/recht-auf-bildung.html (20.3.2016)

Lehrplanbezug

Mensch und Gemeinschaft: Diskriminierung und Rassismus; Selbst- und Fremdwahrnehmung im Kommunikationsprozess, Bedürfnisse und Regeln im Kontext von sozialer Kompetenz; Ausgrenzung; Herrschaft und Legitimation; Kolonialismus; Kaiserreich; Historische Komponenten europäischer Kultur und Gesellschaft; Konfliktregionen und Akteure internationaler Politik in historischer Perspektive; Menschenrechte.

Erwartete Kompetenzen:

Verantwortung für sich selbst und Verortung; inklusive Kompetenz entwickeln; Analysekompetenz der Entwicklung historischer Narrativität und Normativität üben; Reflexion der eigenen Gebundenheit; Auseinandersetzen mit Machtverhältnissen; Erkennen von Diskriminierungsmechanismen und Übertragen auf andere Formen der Diskriminierung; Untersuchen politischer, gesellschaftlicher und kultureller Gegebenheiten der Gegenwart nach ihren historischen Bedingtheiten; Entwickeln individueller Werturteile mit Respekt gegenüber anderen.

Didaktische Perspektive

Für den vorliegenden Bildungsgang ist eine herrschaftskritische Pädagogik erforderlich, die Anerkennung und Verschiebung von Zugehörigkeitsordnungen fordert[2]. Schüler*innen sollten außerdem in den gemeinsamen Bildungsprozess eingeladen werden, indem die Bildungsbegleiter*innen ihren (Un-)Kenntnisstand zum Thema machen und sich mit den Schüler*innen als Lernende positionieren (vgl. Partizipatives Lernen). Sich während des Bildungsgangs als (Noch-)Nicht-Wissende*n zu positionieren mit Neugier, Fragen, Überlegungen und Forschung bedeutet außerdem ein gutes (Lern-)Vorbild sein. Sind junge Menschen mit Diskriminierungserfahrungen in der Lerngruppe und hier in besonderem Maße Schwarze junge Menschen, ist darauf zu achten, dass diese während des Bildungsprozesses keinen oder - etwas realistischer gedacht - möglichst wenigen rassistischen Reproduktionen ausgesetzt sind und es einen Code of conduct gibt, wie sich verhalten wird, sollte es zu Grenzüberschreitungen, rassistischen Äußerungen, usw. kommen. Auch gilt es sich davor zu hüten, Schwarze Jugendliche als Repräsentant*innen einer homogenen Gruppe vorzuführen oder als Angehörige einer Gruppe von Opfern darzustellen.

Dieses Modul ist nicht in einem Stundenplan und Rhythmisierung der Stunde angelegt. Nutzer*innen finden hier zunächst zwei Stationen innerhalb des Moduls als Vorbereitungssammlung, die abhängig von unterschiedlichen Überlegungen zum gemeinsamen Bildungsgang, Lerngruppe, usw. in unterschiedlicher Abfolge Materialien und Überlegungen zur Nutzung teilen. So soll dieses Modul in seiner Offenheit u.a. subjektorientiertes und partizipatives Lernen und den reflexiven Vorbereitungsprozess der Bildungsbegleiter*innen in der Auseinandersetzung mit der vorliegenden Sammlung ermöglichen.


[2] "Anerkennung bedeutet auch die Anerkennung von Verhältnissen und ist damit nicht unbedingt die Schlüsselkompetenz. Dennoch: "Anerkennung ist der Selbst-Anerkennung vorgelagert", von daher geht nichts in der Pädagogik ohne sie. Eine Pädagogik der Mehrfachzugehörigkeit ermöglicht die Entwicklung individueller Dispositionen, der adäquate Begriff für diese Form der Integration ist der der Akkulturation" (Paul Mecheril: 2004).

Sie können auch die gesamte Materialsammlung zusammen mit dem kompletten Text dieser Unterrichtseinheit herunterladen.

Download des Moduls