Arbeitsblatt 1: Biografische Skizzen

1.   Ali CAN „In ein, zwei Jahren als reicher Mann zurück aus Almanya.“

Ali Can wurde in einem ruhigen und idyllischen Fischerdorf an der Ägäis geboren. Kein Ort für einen jungen Mann, der Geld verdienen, die Welt sehen und Mädchen kennenlernen wollte. Nach Deutschland wollte er „nur für ein, zwei Jahre und dann als reicher Mann zurückkehren“, wie all die anderen „Gastarbeiter“, die mit nur einem Koffer wegfuhren und in einem Auto und im Anzug wiederkamen. Sieben Tage dauerte Ali Cans Reise im Zug von Istanbul nach Essen. In Deutschland erwarteten ihn harte Schichtarbeit, Männerwohnheim, wenig Geld. Doch Ali Can lebte sich ein, hatte bald sein erstes Auto und die erste deutsche Freundin; Heimaturlaube, Heirat, Selbständigkeit folgten. Nach 40 Jahren in Deutschland kehrte Ali Can 2006 in  sein kleines, übersichtliches Dorf in der Ägäis zurück.

Hördatei 14 min. bzw. 54 min. (Material 3)

2.   Arifin MUSNADI  „In den 50er Jahren waren wir Ausländer Exoten. Wir bekamen oft Freibier in den Lokalen“

„Meine Jugend war geprägt vom Befreiungskampf“, sagt Arifien Musnadi, der 20 Jahre alt war, als Indonesien 1949 von den niederländischen Kolonialherren unabhängig wurde. Anfang der 50er Jahre kam er nach Deutschland, um in Münster zu studieren. Als Korrespondent einer indonesischen Presseagentur lebte er von 1960 an in Köln, wo er auch seine Frau, eine Deutsche, kennenlernte. Mit der Suharto-Diktatur Mitte der 60er Jahre in Indonesien kam das berufliche Aus für den politisch engagierten Journalisten. Später fand er Arbeit in einer großen Bibliothek in Bonn. Heute lebt Arifien Musnadi mit seiner Familie in einem kleinen Ort bei Köln.

Hördatei 19 min. (Material 4)

3.   Rangin Dadfar SPANTA „Ich muss nach Afghanistan zurück und dort für ein besseres Leben kämpfen.“

Ursprünglich wollte Rangin Dadfar Spanta nur vier Monate in Deutschland bleiben, um eine Zeitung für den Widerstand in Afghanistan aufzubauen. Doch weil er nicht in den bewaffneten Kampf zurück wollte, ließ er sich mit seiner Familie in Aachen nieder, machte Karriere als Akademiker und engagierte sich auf lokaler Ebene politisch. Erst nach 25 Jahren, nach dem Fall des Taliban-Regimes, reiste er zum ersten Mal offiziell wieder in sein Heimatland. Seitdem arbeitet er an dem Wiederaufbau seines Landes mit. Manchmal vermisst Rangin Dadfar Spanta es, in einem Café auf dem Marktplatz in Aachen einen Kaffee zu trinken – ohne Angst, Unsicherheit und Bodyguards. Von Mitte April 2006  bis 2010 war er Außenminister in Afghanistan.

Hördatei 32 min. (Material 5)

4.   Noemi RAZ „Heimatlos - aber Kosmopolit“

Noemi Raz wurde in Tel Aviv geboren, für sie die schönste Stadt der Welt – mediterran, weltoffen. Ihre Eltern waren 1939 von Mähren nach Palästina geflohen, auf einem uralten Schiff, einem „Seelenverkäufer“. Noemi Raz war eine stolze Israelin, die das Land mit aufbauen wollte. Als ihre Eltern ihr mitteilten, dass sie nach Deutschland auswandern wollten, war die 14-Jährige schockiert. An die Überfahrt kann sie sich nicht erinnern, weinte aber Tage und Nächte lang, konnte sich an das „graue Deutschland“ nicht gewöhnen. Obwohl Noemi Raz fest vorhatte, sofort nach dem Abitur nach Israel zurückzukehren, lebt sie immer noch in Deutschland. Zunächst blieb sie der Liebe wegen hier, dann, weil sie ein Kind hatte, später wegen der Arbeit. Mittlerweile lebt ihr Sohn als Arzt in Tel Aviv, und sie besucht die Stadt regelmäßig.

Heute hat sie sich mit Deutschland arrangiert, die Sehnsucht nach Tel Aviv ist jedoch geblieben.

Hördatei 34 min. (Material 6)

5.   Derya JALAL „Wenn ich mit meinen Freundinnen lache, dann lache ich nie aus ganzem Herzen.“

Derya Jalal ist in Kirkuk im Irak geboren und aufgewachsen. Ihre Familie ist kurdischer Abstammung. Ihre Kindheit beschreibt Derya als glücklich und sorgenfrei. Als ihr Vater, ein Regisseur, jedoch einen Film über das Leben von Jesus drehte, wurde die Familie von radikalen Muslimen politisch verfolgt und bedroht. Die einzige Möglichkeit dieser Situation zu entkommen, war das Land zu verlassen. Die Familie nahm eine tagelange, gefährliche und anstrengende Fahrt im Laderaum eines Lkws in Kauf, um nach Deutschland zu gelangen. Derya war damals 10 Jahre alt. Hier beantragten sie Asyl. Jahrelang lebte die Familie in Angst vor einer Abschiebung. Mittlerweile haben ihre Eltern eine Aufenthaltsgenehmigung, sie und ihr Bruder warten noch darauf.

Hördatei 39 min.

Schließenx
Material in eigenem Fenster öffnen