Die meisten derjenigen Bamberger, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in die Posener Dörfer kamen, waren bäuerlicher Herkunft. Die Leitgebers haben ritterliche Wurzeln, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen, und verschmolzen recht schnell mit dem polnischen Adel. Die Familie Leitgeber spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte von Poznań, da viele ihrer Mitglieder an Aufständen teilnahmen und sich in der organischen Arbeit,[1] im Handel und im sozialen Bereich engagierten.
Der Vorfahre der Familie Leitgeber, Andreas, ließ sich 1747 im Dorf Rataje nieder. In der zweiten Generation heirateten seine Kinder noch Nachkommen deutscher Bamberger Familien. In der dritten Generation hingegen vermählte sich sein Enkel Antoni mit einer Polin, während seine Enkelin eine Ehe mit einem Nachkommen einer Bamberger Familie einging. Ab dieser dritten Generation begann die deutliche Polonisierung der Familie durch Eheschließungen, und zwar schon recht früh, zu Beginn des 19. Jahrhunderts Seit Ende des 19. Jahrhunderts war die Familie Leitgeber sehr weit verzweigt und ihre Mitglieder nahmen wichtige Positionen im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben nicht nur in Poznań, sondern in ganz Polen ein.
Antoni Leitgeber (1770-1844), Schmied, Unternehmer, Inhaber einer Schlosserwerkstatt, sozialer und wirtschaftlicher Aktivist in Poznań. Er war der Sohn von Jan Kasper, einem Schneider, der im Handel und Transportwesen tätig war und einen Bauernhof in Rataje besaß, und Małgorzata, geborene Aumüller. Im Jahr 1791 legte er in Poznań die Schmiedemeisterprüfung ab, wurde in die Zunft aufgenommen und erhielt das Stadtbürgerrecht. Im Jahr 1791 gründete er eine Schmiede, führte wichtige Arbeiten für die Stadt und die preußischen Behörden aus. Dazu gehörten u.a. die Errichtung des ersten Blitzableiters in Posen, die Anfertigung von Konstruktionselementen und Eisenteilen für die Chwaliszewski-Brücke sowie eines Krans für die Reinigung des Flusses Warta. Nachdem General Jan Henryk Dąbrowski 1806 in Abstimmung mit Napoleon nach Poznań kam, trat Antoni im folgenden Jahr der Posener Nationalgarde bei und unterstützte den Aufstand gegen die preußische Herrschaft. Im Alter von etwas über 50 Jahren verkaufte er seine Unternehmen und engagierte sich ehrenamtlich. Er war im Stadtrat und im Casino des „Hotels Bazar“, einer gesellschaftlichen und kulturellen Vereinigung des polnischen Bürgertums in Poznań tätig. Es diente als Treffpunkt und Zentrum zur Förderung der polnischen nationalen Identität, Kultur und Wirtschaft in der Region, die damals unter preußischer Herrschaft stand.
Roman Leitgeber (1881-1954) gehörte der sechsten Generation der Familie Leitgeber in Polen an. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten in Breslau, München, Berlin, Rostock und Tübingen. Er war Mitbegründer des Verlags, der 1906 die Herausgabe des „Kurier Poznański“ übernahm. Ab 1920 war er zunächst Chefredakteur und dann Direktor des Verlags „Drukarnia Polska“, der eine Reihe regionaler Wochenzeitungen herausgab, darunter den „Kurier Poznański“. Von 1919 bis 1929 war er Mitglied des Stadtrats von Poznań. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Poznań im Jahr 1939 beschlagnahmten die Nazis seinen Besitz und setzten eine Belohnung für seine Ergreifung aus. Roman Leitgeber versteckte sich in Dylewo im Bezirk Grójec, wo er als Lehrer arbeitete. Nach dem Krieg kehrte er mit seiner Familie nach Poznań zurück, wo er, finanziell völlig ruiniert, sich nach der Verstaatlichung der „Drukarnia Polska“ keine Arbeit mehr in seinem Beruf vorstellen konnte. Er starb 1954 unter schwierigen Bedingungen in Poznań.
Bolesław Leitgeber (1900-1993) – polnischer Diplomat, Maler und Schriftsteller, der einer Posener Buchhändler- und Verlegerfamilie entstammte, die sich um die Stadt große Verdienste erworben hatte. Er studierte an der Universität Poznań und begann nach seinem Abschluss im Jahr 1924 für das Außenministerium zu arbeiten. Im Jahr 1931 wurde er Diplomat an der Botschaft in Kopenhagen und behielt diese Position bis 1935, danach wurde er Pressekorrespondent in Berlin und dann in London. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs arbeitete er in der Londoner Botschaft und in Kairo.
Er war einer der Initiatoren einer Kampagne gegen die Zerstörung von polnischen Kunstschätzen und Denkmälern während des Kriegs. Trotz zahlreicher Verpflichtungen schrieb und malte er. 1941 fand eine Einzelausstellung seiner Bilder in einer Londoner Galerie statt. Es waren Bilder, die die Folgen der Luftangriffe auf Großbritannien zeigten. Zur gleichen Zeit erschien sein Buch „London, The face and the mask“ (London, das Gesicht und die Maske), eine Geschichte über die Menschen in Großbritannien und das Leben in London während des Kriegs.
Mitte 1945 kam er nach Polen, doch angesichts der politischen Veränderungen beschloss er, nach England zurückzukehren, wo er eine Stelle im Sekretariat der entstehenden Vereinten Nationen fand. Anschließend ging er nach New York, wo er, nachdem er zum Vertreter der Vereinten Nationen ernannt worden war, an friedenserhaltenden Missionen in Indien und Afrika teilnahm. Nach diesen Missionen arbeitete er in Genf, ging 1960 in den Ruhestand und widmete sich der Malerei und dem Schreiben von Büchern. Als die Vorbereitungen für den Bau des Assuan-Staudamms begannen, reiste er nach Ägypten, um die von Überschwemmungen bedrohten Gebiete in seinen Bildern zu verewigen. In den folgenden Jahren reiste er in den Nahen und Fernen Osten, nach Westafrika und Europa. Eine Zeitlang hielt er sich in Adyar bei Madras (heute Chennai) auf, dem Weltzentrum der Theosophie, wo er sich mit östlichem mystischem Denken auseinandersetzte.
Nach seiner Rückkehr nach Europa baute er in Genf ein Haus, in dem er alle Grundsätze seiner Lebensphilosophie verwirklichte. Gegen Ende seines Lebens lebte er in Cornwall und beschäftigte sich intensiv mit dem Phänomen des Zusammenbruchs des Kommunismus.
[1] Organische Arbeit (poln. „praca organiczna“) bezeichnet ein von den polnischen Positivist*innen im 19. Jahrhundert entwickeltes gesellschaftliches Konzept, das anstelle von erfolglosen Aufständen die Stärkung der nationalen Gemeinschaft durch Bildungsförderung, wirtschaftliche Entwicklung und Pflege der polnischen Kultur propagierte. Ziel war es, eine moderne polnische Nation heranzubilden, die den Germanisierungs- und Russifizierungsmaßnahmen der Teilungsmächte nachhaltig entgegenwirken konnte.
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„Bolesław Leitgeber“, in: Wikipedia, https://pl.wikipedia.org/wiki/Boles%C5%82aw_Leitgeber, zuletzt geprüft am 15. April 2024.
Sławomir Leitgeber. Wyciąg z kroniki rodziny Leitgeber [Auszug aus der Kronik der Familie Leitgeber] Wielkopolska Biblioteka cyfrowa, https://www.wbc.poznan.pl/dlibra/docmetadata?id=34577, zuletzt geprüft am 15. April 2024.
Wiesława Araszkiewicz und Anna Piesiak. Poradnik dydaktyczny dla nauczycieli prowadzących zajęcia pozalekcyjne w ramach projektu „Cyfrowa Szkoła Wielkopolsk@ 2020” Cyfrowa Dziecięca Encyklopedia Wielkopolski: Edycja druga, Poznań: Ośrodek Doskonalenia Nauczycieli w Poznaniu, 2019, S. 73 u. 78.
Auszüge sind aus den o.g. Quellen übernommen, übersetzt und teilweise paraphrasiert.
Bild 1: Ölgemälde von Antoni Leitgeber, Maler Gillerna, ca. 1842.
Quelle: Wielkopolska Biblioteka Cyfrowa, https://www.wbc.poznan.pl/dlibra/publication/20773/edition/33941/content, zuletzt geprüft am 21. Juli 2025.
Bild 2: Roman Leitgeber
Quelle: Wielkopolska Biblioteka Cyfrowa, https://www.wbc.poznan.pl/dlibra/publication/20773/edition/33941/content, zuletzt geprüft am 21. Juli 2025.
Bild 3: Bolesław Leitgeber
Quelle: Theosophy Wiki, https://theosophy.wiki/en/
Boleslaw_Leitgeber#/media/File:Boles%C5%82aw_Leitgeber_portrait.jpg, zuletzt geprüft am 21. Juli 2025.