Geschichte(n) der deutschen Migrationsgesellschaft

Jugendliche erzählen begründete historische Geschichten

Ablaufplan

  1. Stunde 1: Persönliche Migrations-geschichte(n)

    1. Lernziele

      • Die Schüler*innen (S*S) setzen sich mit der Migrationsgeschichte Deutschlands auseinander und bekommen einen ersten Eindruck, wie sich Migration und der Um­gang damit verändert hat.
      • Sie lernen im Rahmen des Story-Modus‘ eine begründete historische Erzählung mit lebensweltlicher Relevanz zu entwickeln.
      • Die S*S veranschaulichen ihre Vorstellungen von Migration durch die Auswahl von Bildern und reflektieren eigene Auswahlentscheidungen.
    2. Vorbereitung

      • Für den Einstieg in die Stunde gibt es zwei Varianten, zwischen denen die Lehrkraft wählen kann. Wenn sie zunächst einen Fokus auf das Geschichtsverständnis legen möchte, dann wählt sie Variante A. Wenn sie direkt mit Überlegungen zu Migration einsteigen möchte, dann wählt sie Variante B.
      • Die Lehrkraft fertigt ausreichende Kopien von Material 1-3 an.
      • Die Möglichkeit, die Definition von Migration (in Material 1) zu projizieren ist sicher­gestellt.
      • Für die Auswahl der Abbildungen druckt die Lehrkraft die Bilder aus Material 4-13 in einem großen Format aus und hängt sie für alle S*S sichtbar auf oder breitet sie auf einem großen Tisch aus. Ggf. kann sie die Abbildungen auch an das Whiteboard oder eine Wand projizieren, die Ausdrucke werden aber für die spätere Bearbeitung durch die S*S benötigt.
      • Für sich hält die Lehrkraft einen Ausdruck von Material 14 bereit und sieht sich im Vorwege die Hintergrundinformationen zu den Bildern an.
    3. 1 . Einstieg (Variante A)

      Dauer 10 min
      • Die Lehrkraft fragt die S*S nach dem Unterschied zwischen Geschichte und Geschichten. Sie schreibt beide Begriffe an die Tafel oder das Whiteboard und sammelt die Anmerkungen der S*S in Stichpunkten jeweils darunter.
      • Sie erklärt, dass es im Folgenden darum gehen wird, begründete, also mit Argumen­ten untermauterte Geschichten, zu ent­wickeln, die sich auf deutsche Migrations­geschichte beziehen.
      • Dann projiziert die Lehrkraft die Definition von Migration nach Jan Plamper an das White­board oder eine weiße Wand. Die Defini­tion geht auf verschiedene Facetten von Migration ein und hat einen Fokus auf unterschiedliche Motive sowie Push- und Pull-Faktoren.
      • Sie bittet die S*S zusammenzufassen, wo darin der Schwerpunkt liegt und gibt ihnen die Möglichkeit, ihre eigene Meinung zu äußern.
      • Im Anschluss verteilt sie Kopien der Definition.
    4. 2 . Einstieg (Variante B)

      Dauer 10 min
      • Die Lehrkraft schreibt die Begriffe „Migration“ und „Migrationsgeschichte“ an die Tafel oder das Whiteboard. Sie fordert die S*S dazu auf, sich laut Gedanken zu dem Unterschied zu machen und hält Sichtpunkte unter dem jeweiligen Begriff fest.
      • Im Anschluss projiziert die Lehrkraft die Definition von Migration nach Jan Plamper an das White­board oder eine weiße Wand. Die Defini­tion geht auf verschiedene Facetten von Migration ein und hat einen Fokus auf unterschiedliche Motive sowie Push- und Pull-Faktoren.
      • Sie bittet die S*S zusammenzufassen, wo darin der Schwerpunkt liegt und gibt ihnen die Möglichkeit, ihre eigene Meinung zu äußern.
      • Im Anschluss verteilt sie Kopien der Definition.
    5. 3 . Einführung des Story-Modus

      Dauer 10 min
      • Die Lehrkraft führt den Story-Modus ein, indem sie den S*S erklärt, das diese in die Rolle von Redakteur*innen schlüpfen wer­den und einen Beitrag über eine Migra­tions­geschichte in einem redaktionellen Prozess zusammenstellen werden.
      • Sie verteilt Material 2 und bittet die S*S, sich eine der Personen auszuwählen.
      • Wenn die Auswahl getroffen ist, finden sich die S*S je nach Auswahl der Person in Gruppen zusammen.
      • Die Lehrkraft stellt sicher, dass die Gruppen relativ gleichgroß sind.
    6. 4 . Präsentation und Auswahl der Bilder

      Dauer 15 min
      • Die Lehrkraft verteilt das Arbeitsblatt zur Bildauswahl (Material 3), präsentiert den S*S die verschiedenen Abbildungen (aus Material 4-13) und bittet die Gruppen, den Bildern einen Titel zu geben und somit eine These für jedes Bild und den Umgang mit Migration darin zu formulieren.
      • Anmerkung (für die Lehrkraft):
        Bei den Bildern handelt es sich um Nach­zeichnungen von Originalbildern, die auf migrationsgeschichtliche Beispiele und Debatten aus dem deutschen Kontext verweisen. Die Verwendung der Nach­zeich­nungen statt der Originale hat lizenz­rechtliche Gründe. Die Bilder wurden anhand von Kriterien wie Zeitdifferenz und Multiperspektivität so ausgewählt, dass möglichst verschiedene Beispiele vorkom­men. Diese Bildauswahl erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit aller relevanten Bilder der Migrationsgeschichte oder aller beteiligten Gruppen des deutsch­sprachigen Raumes. Sie ist eher als Aus­gangs­punkt für vielfältige Erzähl- und Rechercheanlässe zu verstehen, die auch durch eigene Beispiele und Anregungen der S*S ergänzt werden kann.
        Hintergrundinformationen zu den Bildern sind für die Lehrkraft in Material 14 zusammengestellt.
      • Nun bittet die Lehrkraft die Gruppen, jeweils drei der Bilder auszuwählen und die Gründe für ihre Auswahl zu notieren.
      • Die Lehrkraft beobachtet die Gruppendiskussionen und achtet darauf, dass sich jede*r Schüler*in eigene Notizen auf dem Arbeitsblatt macht.
    7. 5 . Diskussion der Ergebnisse

      Dauer 10 min
      • Die Lehrkraft bittet die Gruppen, kurz ihre Rolle und die Bildauswahl vorzustellen. Sie fordert die S*S dazu auf, ihre Mitschü­ler*innen besonders an der Reflexion der Auswahlentscheidung teilhaben zu lassen.
      • Die Klasse diskutiert die präsentierten Überlegungen zu den Bildern, überlegt, ob die Rollen zu den Bildern passen und formuliert möglicherweise bereits Fragen für die Recherche zu den Bildern.
      • Am Ende der Stunde entscheidet sich jede Gruppe für zwei ihrer Bilder und teilt dies der Lehrkraft mit.
      • Hinweis:
        Die Lehrkraft achtet darauf, dass beispielsweise nicht nur Bilder aus der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart vertreten sind, damit auch wirklich eine Migrationsgeschichte entstehen kann.
  2. Stunde 2: Migration in Vergangenheit und Gegenwart

    1. Lernziele

      • Die S*S recherchieren selbstständig Entstehungskontexte von Abbildungen und verschaffen sich einen Überblick über Szenarien in der näheren oder jüngeren Vergangenheit.
      • Die S*S reflektieren Benennungen von sowie Thesen zu den Bildern anhand des Abgleichs mit den von ihnen recherchierten Infomationen.
      • So üben sie die auf eine Leitfrage bezogene Recherche zu Entstehungs­kontexten von Bildern sowie die darauf bezogene Interpretation dieser.
    2. Vorbereitung

      • Die Lehrkraft stellt sicher, dass die Auswahl der Abbildungen für alle sichtbar angebracht oder projiziert ist. Sie hält die Hintergrundinformationen zu den entsprechenden Bildern (Material 14) für sich bereit.
      • Sie fertigt ausreichende Kopien der Arbeitsblätter zu den ausgewählten Abbildungen (aus Material 4-13) an. Jedes Mitglied einer Gruppe erhält eine Kopie für die jeweils ausgewählte Abbildung.
      • Für jede Gruppe ist die Möglichkeit zur Recherche im Internet sichergestellt.
      • Die Lehrkraft prüft, ob in dem Geschichtsschulbuch, das in der Klasse verwendet wird, ein Text ist, der zu einem der Bilder passt. Diesen kann sie ggf. der entsprechenden Gruppe als Recherchetipp nahelegen.
    3. 6 . Einstieg

      Dauer 30 min
      • Die S*S finden sich in ihren Gruppen zusammen und erhalten von der Lehrkraft ein Exemplar ihrer ausgewählten Abbildungen pro Person.
      • Die Gruppen recherchieren die Entstehungskontexte ihrer Abbildungen im Internet.
      • Sie richten sich nach folgenden Leitfragen, die auch auf den Arbeitsblättern zu finden sind (nicht alle Fragen sind zu allen Bildern vollständig zu beantworten, teilweise sind die Originale nicht im Internet zu finden):
        • Wer hat das Bild von wem und zu welchem Zweck gemacht?
        • (zum Verbreitungskontext) Auf welchen Internetseiten taucht dieses Bild auf?
        • Wie wurde das Bild damals interpretiert?
        • Was haben z. B. Zeitungen dazu geschrieben?
        • Wie wird Migration in diesem Kontext dargestellt?
        • Was wird im Rahmen dieses Bildes zu Migration diskutiert?
        • Wie wurde mit Migration und Migrant*innen zu der Zeit umgegangen oder auf sie reagiert?
      • Die Lehrkraft beobachtet die Gruppen­arbeit und unterstützt ggf. einzelne Grup­pen bei der Bildinterpretation durch die Bereitstellung von Details aus den Hinter­grundinformationen (Material 14).
    4. 7 . Präsentation erster Ergebnisse

      Dauer 15 min
      • Die Lehrkraft kündigt an, dass die Recherchen in der nächsten Stunde diskutiert werden und es zum Abschluss dieser Stunde vor allem darum geht, den Mitschüler*innen einen Überblick zu verschaffen, um welche Bilder es gehen wird.
      • Gemeinsam bringt die Klasse die Bilder in eine historische Reihenfolge.
  3. Stunde 3: Redaktions-konferenz

    1. Lernziele

      • Die S*S tauschen sich über die Ergebnisse ihrer Recherche in einer Redaktionssitzung aus.
      • Die S*S reflektieren ihre ersten Thesen zum Zusammenhang der Bilder und entwickeln Titel für ihre Geschichten zur Migrationsgesellschaft.
      • Sie geben sich gegenseitig Feedback hinsichtlich ihrer Thesen/Überschriften.
    2. Vorbereitung

      • Die Lehrkraft fertigt großformatige Ausdrucke der Nachzeichnungen an und hängt sie im Klassenraum aus
      • Sie stellt Plakate und Schreibutensilien zur Verfügung, so dass die S*S ihre Rechercheergebnisse zusammentragen und präsentieren können.
      • Flipchart, Tafel oder andere Möglichkeiten, um die Plakate in der Nähe der Abbildungen aufzuhängen (inkl. Befestigungsmaterialien), stehen zur Verfügung.
    3. 8 . Einstieg

      Dauer 20 min

      Die S*S finden sich in ihren Gruppen zusammen und tragen die Ergebnisse ihrer Recherche auf Plakaten zusammen.

    4. 9 . Arbeitsphase

      Dauer 25 min
      • Die S*S veranstalten eine zweite Redaktionssitzung, in der sie sich über die Einsichten ihrer Recherchen austauschen und ihre Bennenungen/Thesen mit denen aus der ersten Phase abgleichen. Die Plakate dienen ihnen als Unterstützung für die Präsentation der Ergebnisse.
      • Die S*S halten interessante Informationen, die sich aus dem Verlauf der Recherchen ergeben, fest.
    5. 10 . Hausaufgabe

      Dauer 0 min
      • Als Hausaufgabe formulieren die S*S erste Überschriften für ihre Geschichten der Migrationsgesellschaft und präzisieren ihre Thesen zur Leitfrage.
  4. Stunde 4: Strukturierung des Artikels

    1. Lernziele

      • Die S*S geben sich gegenseitig Feedback zu ihren Thesen und Überschriften.
      • Aufbauend auf das Feedback entwickeln sie gemeinsam eine Strukturierung zum Aufbau ihrer Geschichten.
    2. 11 . Arbeitsphase

      Dauer 45 min
      • Die S*S finden sich in beliebigen neuen Kleingruppen zusammen, in denen sie sich ihre ersten Entwürfe gegenseitig vorlesen.
      • Anhand der auf den Arbeitsblättern (Material 4-13) formulierten Leitfragen geben sich die S*S ein Feedback.
    3. 12 . Hausaufgabe

      Dauer 0 min
      • Als Hausaufgabe überarbeiten die S*S ihre Entwürfe
  5. Stunde 5: Redaktions-sitzung zu den Artikeln

    1. Lernziele

      • Die S*S reflektieren gemeinsam ihre Hausaufgaben und unterstützen sich gegenseitig in der Überarbeitung.
    2. 13 . Arbeitsphase

      Dauer 45 min
      • Die S*S finden sich in beliebigen neuen Kleingruppen zusammen, in denen sie sich ihre ersten Entwürfe gegenseitig vorlesen.
      • Anhand der auf den Arbeitsblättern (Material 4-13) formulierten Leitfragen geben sich die S*S ein Feedback.
    3. 14 . Hausaufgabe

      Dauer 0 min
      • Als Hausaufgabe überarbeiten die S*S ihre Entwürfe.
  6. Stunde 6: Reflexion

    1. Lernziele

      • Die S*S reflektieren das Gelernte nach Abschluss des Story-Modus im Hinblick auf verschiedene Schwerpunkte wie Geschichtsverständnis, Migrationsver­ständ­nis und Erfahrungen im Story-Modus.
      • Die S*S diskutieren anhand verschiedener Geschichten, welche Merkmale dazu führen, dass es zu unterschiedlichen Darstellungen von Geschichten der Migra­tions­gesellschaft kommen kann.
      • Die S*S halten neu kennengelernte Motive und Facetten von Migration fest und reflektieren über die Erweiterung ihrer Vorstellung von Migration.
    2. Vorbereitung

      • Die Lehrkraft fertigt ausreichende Kopien von Material 15 an.
      • In kleineren Klassen kann ein Gallery Walk durchgeführt werden. Für diesen werden Flächen benötigt, an denen die Migrationsgeschichten für alle sichtbar angebracht werden können, Befestigungsmaterialien und kleine Klebepunkte für die Bewertung der Geschichten.
      • Die Möglichkeit zur Projektion von Material 16 ist sichergestellt.
    3. 15 . Einstieg

      Dauer 15 min
      • Zur Vorbereitung der abschließenden Re­dak­tionskonferenz lesen sich die S*S in neu zusammengestellten Kleingruppen ihre Geschichten zur Migrationsgeschichte durch und treffen eine Auswahl von zwei Artikeln, die sie für die Zeitung vorschlagen.
      • In kleineren Klassen kann diese Phase übersprungen werden und ein Gallery Walk zur Betrachtung aller Artikel durch­geführt werden. Hierzu werden alle Geschichten im Klassenraum für alle S*S zugänglich angebracht. Anschließend lesen sich die S*S die Geschichten in Ruhe durch und vergeben Punkte für ihre Favoriten. Die Geschichten mit den meisten Punkten werden dann in der Schüler*innenzeitung präsentiert. In diesem Fall verlängert sich diese Unter­richtsphase zeitlich, während die anschlie­ßende Präsentation der Ergebnisse weg­fällt und direkt zur Reflexion der Ergeb­nisse übergegangen werden kann.
      • Als Hilfestellung können den S*S die in Material 15 zusammengestellten Kriterien zur Auswahl an die Hand gegeben werden.
    4. 16 . Ergebnispräsentation und Reflexion

      Dauer 30 min
      • Die Gruppen stellen in der großen Redak­tionskonferenz ihre Auswahl sowie die Begründung dafür vor.
      • Die S*S diskutieren und handeln aus, welche fünf bis sechs Artikel in der Schüler*innenzeitung erscheinen sollen.
      • Ziel ist die Entwicklung einer Ausgabe mit fünf bis sechs Geschichten, die möglichst vielfältige Aspekte von Migration abbilden.
      • Die Lehrkraft lenkt durch Fragen die Reflexion auf bestimmte Aspekte
        • Geschichtsverständnis:
          • Wie kommt es eigentlich dazu, dass es so unterschiedliche Geschichten zur Migrationsgesellschaft geben kann?
        • Migrationsverständnis:
          • Ihr habt euch jetzt eine längere Zeit mit Migrationsgeschichte beschäftigt, was sind für euch wichtige oder auch neue Aspekte von Migration, die wir festhalten sollten?
      • Ggf. projiziert die Lehrkraft eine weitere Definitionen von Migration (Material 16), um die Diskussion in Gang zu bringen.

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