Über uns

Vielfalt im Klassenzimmer ist der Normalfall. Im Unterricht bieten sich damit neue Möglichkeiten, die Herausforderungen einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft aufzugreifen. Die Vielfalt der Biographien und die Pluralisierung der Lebenswelten bieten die Chance, Schüler*innen zu einem konstruktiven Umgang mit gesellschaftlichen Unterschieden anzuregen. Zugleich eignen sich die alltäglichen Fragen und Konflikte, die sich in einer pluralistischen Gesellschaft zwangsläufig ergeben, für eine lebensweltnahe Gestaltung des Unterrichts. In der Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Diversität werden die Handlungs- und Urteilskompetenzen von Jugendlichen gefördert.

Neue Perspektiven sichtbar machen

Die Webplattform zwischentoene.info bietet Anregungen, wie diese Auseinandersetzung auch im Unterricht gelingen kann. Die Unterrichtsmodule für die Fächer Politik, Geschichte, Geographie und Ethik/Religion der Sekundarstufen I und II widmen sich Fragen, die in Schulbüchern oft zu kurz kommen. Dabei geht es nicht vorrangig darum, zusätzliche Informationen über "neue" Themen anzubieten. Vielmehr bieten die Unterrichtsmodule "neue" Perspektiven auf Themen, die in der (Post-)Migrationsgesellschaft Deutschland zwar allgegenwärtig sind, aber im Unterricht selten behandelt werden.

Ein Beispiel: Das Thema Umweltschutz spielt in Lehrplänen eine wichtige Rolle. Im Ethik- oder Religionsunterricht lernen die Schüler*innen unterschiedliche Argumentationen kennen, mit denen ein Engagement für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen begründet wird. Muslimische Perspektiven kommen hier in aller Regel nicht vor, obwohl sich in den vergangenen Jahren immer mehr muslimische Jugendliche auch aus religiösen Gründen für den Schutz der Umwelt engagieren. Die Unterrichtsmaterialien machen solche Perspektiven jenseits der Mehrheitsgesellschaft sichtbar, ohne sich dabei auf gesellschaftliche Nischen und Ränder zu beschränken. Es geht um Themen aus der Mitte der Gesellschaft, die mit anderen Augen betrachtet werden.

Pluralität als Selbstverständlichkeit

Die Erfahrung von Diversität und Pluralität prägt das Selbstverständnis von Individuen und Gesellschaft. Das "Wir", das vor 50 Jahren selbstverständlich war, unterscheidet sich von jenem "Wir", das die Schüler*innen heute auf dem Schulhof verbindet. Auch die Vorstellung davon, was das Deutschsein eigentlich ausmacht, hat sich grundlegend gewandelt. Im Selbstverständnis vieler Jugendlicher lassen sich die Begriffe "deutsch" und "Muslim" oder "deutsch" und "Schwarz" problemlos zusammen denken. Wenn es in den Unterrichtsmaterialien also um Muslim*innen oder um Menschen mit türkischem Migrationshintergrund geht, geht es nicht um "Andere", sondern um Menschen in Deutschland.

Zum Beispiel "Islam" und "Muslime in Deutschland" 

Ein Schwerpunkt der Webplattform liegt auf Perspektiven von Muslim*innen und Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch von Angehörigen anderer Religionen und Weltanschauungen. Angesichts der öffentlichen Kontroversen, die in Deutschland rund um Islam und Einwanderung geführt werden, bieten sich diese Themen in besonderer Weise an, um lebensweltbezogene Lernprozesse zu initiieren und die Urteils- und Handlungskompetenzen der Schüler*innen zu fördern.

Ziel der Module ist es nicht, "richtige" Informationen über "den" Islam zu vermitteln. Genauso wenig geht es darum, theologische Fragen zu erörtern. Ziel ist es vielmehr, Lebenswelten und Erfahrungen von Muslim*innen und Migrant*innen vorzustellen und daran anknüpfend allgemeine Fragen aufzuwerfen, die in den Lernplänen behandelt werden: Woher kommen die Werte, die mir wichtig sind? Sind sie unveränderbar? Was haben wir gemeinsam, was unterscheidet uns? Und wie wollen wir mit Unterschieden umgehen? Oder auch: Was ist gerecht? Wie erinnern wir deutsche Geschichte? Wie wollen wir leben?

Alltäglich, multimedial, handlungsorientiert

Die Materialien, die in den Modulen verwendet werden, sind Teil der deutschen Öffentlichkeit und des deutschen Alltags. Wichtig ist uns die Nutzung von Online-Medien, um eine aktive und reflektierte Nutzung dieser Medien unter Schüler*innen zu fördern. Kritische Medienkompetenz beinhaltet dabei nicht nur einen bewussten Umgang mit Medien und Medieninhalten. Ebenso wichtig ist das Wissen um die Möglichkeiten, die diese Medien für eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft bieten können. Gerade Online-Medien können Partizipation und Mitbestimmung erleichtern. Da Politik in modernen Gesellschaften immer auf mediale Repräsentationen angewiesen ist, soll der reflektierte Umgang mit Medien gefördert werden, um die Schüler*innen damit zu einer aktiven Teilnahme am politischen Diskurs zu befähigen.

Bei der Gestaltung der Module haben wir besonderen Wert auf eine leichte Anwendbarkeit im Unterricht gelegt:

  • kurze inhaltliche und didaktische Einführungen in das jeweilige Thema
  • Verweise auf weiterführende Literatur für detailliertere Hintergründe (in der Regel online erhältlich)
  • Ablaufpläne zur Planung des Unterrichts
  • Materialien sind mit Arbeitsaufträgen aufbereitet und können im pdf-Format heruntergeladen werden. 

Wissenschaftlicher Beirat

Die Webplattform wird kontinuierlich aktualisiert und durch neue Unterrichtsmodule erweitert. Das Projekt Zwischentöne wird von einem Beirat inhaltlich und methodisch begleitet. Beiratsmitglieder sind Prof. Dr. Kerstin Pohl (Institut für Politikwissenschaft der Johannes Gutenberg Universität Mainz), Prof. Dr. Christian Kuchler (Institut für Politische Wissenschaft an der RWTH Aachen), Prof. Dr. Elizabeta Jonuz (Professur für Soziale Arbeit an der Hochschule Hannover), Dr. Birgit Wenzel (LISUM Berlin-Brandenburg; Webplattform "Lernen aus der Geschichte"), Dr. Inga Niehaus (Niedersächsisches Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung), Irene Appiah (Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung), Mark Zaurov Interessensgemeinschaft Gehörloser Jüdischer Abstammung in Deutschland e.V.) und Meral EL (Geschäftsführung neue deutsche organisation e.V.).

Förderung

Das Projekt wurde von April 2013 bis Juni 2016 von der Robert Bosch Stiftung gefördert und wird derzeit vom Auswärtigen Amt unterstützt. Die Webplattform wird institutionell durch das Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut bzw. das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur getragen.

Weiterführende Informationen

Der Artikel Diversität als Normalfall. Das Projekt Zwischentöne – Materialien für das globalisierte Klassenzimmer von Dr. Götz Nordbruch enthält weitere Hintergrundinformationen aus der Schulbuchforschung und konzeptionelle Leitideen.