Ein Schiff und seine Migrationsgeschichte
Von „Germanic“ zu „Gülcemal“
Ablaufplan
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Stunde 1: Was ist ein historisches Narrativ?
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Lernziele
- Die Schüler*innen (S*S) lernen einen eher unbekannten Akt in der deutsch-türkischen Geschichte kennen, einen zweijährigen Aufenthalt junger Türk*innen als Schüler*innen, Lehrlinge und Minenarbeiter in den Jahren 1917-1919.
- Sie befassen sich mit der Frage, warum eine einzelne Quelle unzureichend sein kann, um ein historisches Ereignis zu erschließen.
- Die S*S werden für die Pluralität von Perspektiven in historischen Quellen sensibilisiert und dass das, was man gemeinhin als historische Fakten bezeichnet, multidimensional ist.
- Schließlich erkennen die S*S die Bedeutung einer Vielzahl von Quellen, um ein historisches Narrativ zu entwickeln.
- Auf einer Metabebene befassen sie sich mit dem Verhältnis von politischer Geschichte und Sozial- sowie Wirtschaftsgeschichte.
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Vorbereitung
- Die Lehrkraft fertigt ausreichende Kopien von Material 15 an (ein Exemplar pro Schüler*in) sowie von Materialien 4-14 (für die Gruppenarbeit). Einige der Textquellen liegen zusätzlich zur Abbildung des Originals in transkribierter Form vor (Materialien 7, 9, 12 und 14). Die Lehrkraft entscheidet, welche der beiden Formen sie verwenden möchte (ggf. auch beide) und plant dies entsprechend beim Anfertigen der Kopien ein. Die Quellen für die einzelnen Gruppen unterscheiden sich in Art und Komplexität. Die Lehrkraft überlegt im Vorwege, ob sie selbst die Gruppenzuteilung vornehmen möchte, indem sie Überlegungen zu den Stärken einzelner S*S in Erwägung zieht, oder ob sie die Wahl den S*S selbst überlassen möchte.
- Die Lehrkraft liest sich die Hintergrundinformationen (Material 1) zur Geschichtsschreibung sowie (Materialien 2 und 3) zu den deutsch-türkischen Beziehungen während des Ersten Weltkriegs durch und bereitet zudem eine kurze Präsentation verschiedener Quellenarten mit deren Spezifika vor.
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1 . Einstieg
Dauer 5 min- Die Lehrkraft schreibt die folgende Aussage an die Tafel oder das Whiteboard: „Kameras, genau wie Historiker*innen, lügen immer“ und bittet die S*S, die Aussage zu interpretieren.
- Um die Diskussion anzuregen, kann die Lehrkraft ein paar Details aus den Hintergrundinformationen (Material 1), wie die Beispiele aus dem sowjetischen Kontext, ergänzen, die sie in Vorbereitung auf die Stunde gelesen hat.
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2 . Hinführung
Dauer 10 min- Die Lehrkraft zeigt den S*S verschiedene Quellenarten wie Primär- und Sekundärquellen, visuelle und Textquellen (einschließlich Beispielen von Archivquellen, Briefen, Tagebüchern, Fotos, Büchern und wissenschaftlichen Beiträgen) und vermittelt ihnen einen Überblick, worin die Unterschiede liegen.
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3 . Arbeitsphase I
Dauer 20 min- Die Lehrkraft verschafft den S*S einen kurzen Überblick über die deutsch-türkischen Beziehungen während des Zweiten Weltkreigs (auf der Grundlage von Material 2 und 3) und kündigt an, dass es sich um einen Austausch handelte und sie die andere Seite nun im Rahmen einer Gruppenarbeit erarbeiten werden.
- Die Lehrkraft teilt die S*S in vier Gruppen ein und teilt ihnen jeweils Quellen über die Entsendung von osmanischen Schüler*innen und Lehrlingen ins Deutsche Reich aus.
- Die erste Gruppe erhält ein Foto, das im Berliner Tagesblatt veröffentlicht wurde (Material 4) und eine Karte aus dem Hamburgischen Correspondent (Material 5).
- Die zweite Gruppe erhält den Brief von Student*innen, in dem sie ihre Dankbarkeit ausdrücken, bevor sie auf der Gülcemal in die osmanische Türkei zurückkehren. Das Dokument liegt als Abbildung des Originals (Material 6) sowie als Transkript des Dokumentes (Material 7) vor. Zusätzlich erhalten die S*S in dieser Gruppe einen Zeitungsartikel mit Informationen für Familien, die erwägen, sich bereitzuerklären, S*S aufzunehmen (Material 8: Abbildung des Originals, Material 9: Transkript).
- Die dritte Gruppe erhält Auszüge aus einem Zeitungsartikel von Dr. Hans Hermann Rossack mit dem Namen „Türkische Jugend in Deutschland“, die in transkribierter Form (Material 10) vorliegen.
- Die vierte Gruppe erhält eine Zeugnisabschrift (Material 11) und einen Brief über türkische Student*innen (Material 13) sowie die Transkripte der Texte (Materialien 12 und 14).
- Die S*S bearbeiten die Quellen und bereiten sich vor, die Ergebnisse der Klasse zu präsentieren. Sie machen sich auch Gedanken darüber, welche Art der Quellen sie bearbeiten und wo die Stärken und Schwächen dieser Quellen liegen.
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4 . Ergebnispräsentation und Sicherung
Dauer 10 min- Die Gruppen stellen die Inhalte ihrer Quellen vor.
- Im Anschluss bittet die Lehrkraft die S*S, sich über ihre jeweiligen Quellenarten auszutauschen, wo deren Stärken und Schwächen liegen. Sie regt die S*S auch dazu an, sich Gedanken darüber zu machen, warum nicht einfach nur Quellen verwendet werden sollten, die die S*S als besonders zuverlässig einschätzen.
- Abschließend betont die Lehrkraft die Bedeutung der Verwendung von vielen verschiedenen Quellen, um verschiedene Perspektiven für die Rekonstruktion historischer Ereignisse zu bekommen.
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Stunde 2: Das "Bedeutsame" in der Geschichte finden
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Lernziele
- Die S*S verstehen, dass es eine komplexe und je nach Perspektive unterschiedlich geprägte Aufgabe ist, herauszufinden, was historisch „relevant“ ist, und dass dabei in der Regel verschiedene Faktoren wie wissenschaftliche Forschung, kulturelle Werte, gesellschaftliche Perspektiven und politische Agenden eingebunden sind.
- Die S*S wissen zudem, dass die Bestimmung des „Bedeutsamen“ in der Geschichte ein fortdauernder Prozess ist und sich das Verständnis der Vergangenheit mit der Zeit immer wieder wandelt.
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Vorbereitung
- Die Lehrkraft fertigt ausreichende Kopien der Materialien 21–23 an.
- Sie bereitet eine Zeitreise für den Einstieg in die Stunde vor. Hierfür kann sie die Hintergrundinformationen, die sie sich bereits zur Vorbereitung der letzten Stunde gelesen hat (Materialien 2 und 3), verwenden. Sie bindet die Geschichte des Einsatzes junger Menschen aus der osmanischen Türkei ins Deutsche Reich mit ein. In diesem Zusammenhang kann auch eine Verbindung zur vorangegangenen Stunde hergestellt werden, indem auch Ergebnisse der Gruppenarbeit aufgegriffen werden können. Die Lehrkraft kann außerdem Abbildungen (Materialien 16 und 17) oder Videos ohne Ton (Materialien 18 oder 19) verwenden. Hierfür stellt sie die technischen Voraussetzungen zu deren Projektion sicher.
- Darüber hinaus sieht sich die Lehrkraft die Hintergrundinformation zu den einschlägigen Entwicklungen im 19. Jahrhundert (Material 20) an und bereitet eine kurze Präsentation vor.
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5 . Einstieg
Dauer 10 min- Die Lehrkraft beginnt die Stunde mit der zuvor vorbereiteten Zeitreise, ggf. unter Einbezug von visuellen Impulsen und/oder Stummfilmen (Materialien 16-19), um ein historisches Narrativ zur Verschickung junger Türk*innen ins Deutsche Reich zu entwickeln.
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6 . Überleitung
Dauer 10 min- Die Lehrkraft führt in das Thema der Stunde ein, indem sie die S*S fragt, wodurch ein Ereignis, eine Person oder Idee für die Geschichtsschreibung bedeutsam wird.
- Im Anschluss an die Diskussion erklärt die Lehrkraft auf Grundlage der Hintergrundinformation (Material 20), wie technologische Entwicklungen, besonders in Bezug auf Transportmittel, die Geschichte der Menschheit geprägt haben, indem sie wirtschaftliches Wachstum, kulturellen Austausch und das Aufstreben und den Verfall von Zivilisationen förderten.
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7 . Arbeitsphase
Dauer 20 min- Die Lehrkraft projiziert einige Abbildungen (Material 21) ans Whiteboard oder eine weiße Wand und verteilt die Liste mit historischen Schiffen (Material 22) und den Gründen, warum diese bekannt sind, wie beispielsweise ihre Bedeutung für die Forschung, Krieg, Handel oder Seeschlachten. Die Lehrkraft bittet die S*S, die Schiffe zunächst zuzuordnen und sich dann jeweils Gedanken zu machen, ob sie ihnen etwas bedeuten und sie zu Recht Teil des kollektiven Gedächtnisses geworden sind.
- Die Lehrkraft teilt die S*S in Kleingruppen ein und händigt die Liste mit der Kategorie für die Einordnung historischer Ereignisse und Quellen aus (Material 23). Sie betont, dass es hier um eine Auswahl an Kriterien handelt, die für die Gruppenarbeit getroffen wurde und die nur ergänzend zu einer historischen Quellenkritik verwendet werden können. Jede Gruppe wählt zwei Beispiele aus der Liste der Schiffe aus, die Lehrkraft stellt sicher, dass alle Schiffe von einer der Gruppen beurteilt werden. Sie bittet die S*S, die Beispiele anhand der Kategorien zu bewerten und jeweils hinsichtlich ihrer Bedeutsamkeit einzuordnen, z. B. „sehr wichtig“, „mäßig wichtig“, „unwichtig“. Sie bittet die Gruppen, ihre Entscheidungen zu diskutieren und die Gründe zu notieren.
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8 . Ergebnispräsentation
Dauer 5 min- Die Kleingruppen können ausgewählte Ergebnisse teilen und Fragen zur Diskussion stellen, die sich ihnen während der Bearbeitung ergeben haben.
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Stunde 3: Ein Schiff und seine Geschichte
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Lernziele
- Die S*S erkennen, dass es viele Geschichten gibt, die historiografisch nicht als bedeutsam bewertet werden, dennoch das Leben vieler Menschen geprägt haben.
- Sie lernen, ein Schiff als historische Quelle zu verstehen.
- Sie verstehen die drei Ebenen des Konzeptes der Multiperspektivität.
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Vorbereitung
- Die Lehrkraft überlegt, ob sie die kurzen Ausführungen über eine historische Quellenkritik in der Einführung ggf. etwas ausführen oder auch schriftlich festhalten möchte, um sie den S*S mitzugeben. Hierdurch wird vorgebeugt, dass die S*S das Gefühl bekommen, die Kriterien zur Einschätzung der Relevanz eines Ereignisses oder einer Quelle seien umfassend und könnten eine Quellenkritik ersetzen.
- Die Lehrkraft liest die Hintergrundinformation über das Schiff Germanic, später auch Ottawa oder Gülcemal (Material 24), durch und hält eine Kopie bereit. Auf dieser Grundlage bereitet sie eine Präsentation vor, um den S*S die Reise nahezubringen. Sie kann hierfür auch die Abbildungen in Material 25 verwenden. Sie bereitet die technische Ausrüstung zur Präsentation der Abbildungen vor.
- Die Lehrkraft überlegt sich, ob sie die Hintergrundinformation (Material 24) auch an die S*S ausgeben möchte, und fertigt ggf. ausreichende Kopien davon an.
- Arbeitsplätze mit Internetzugang für die Gruppenarbeit stehen bereit.
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9 . Einführung
Dauer 10 min- Die Lehrkraft erinnert an die Einordnung von Schiffen als geschichtlich bedeutsam oder nicht. Sie fragt die S*S, ob andere Schiffe zwangsläufig keine bedeutende Rolle in der Geschichte gespielt haben. Sie informiert darüber, dass bei der klassischen Quellenkritik weitere Kriterien wie Ziel und Zweck der Quelle, Aktualität, Genauigkeit, Objektivität bzw. Grad der Subjektivität eine Rolle spielen und auch die Autor*innen sehr wichtig sind, um die Zuverlässigkeit der Informationen beurteilen zu können.
- Sie weist darauf hin, dass die Liste der bedeutenden Schiffe von einem Chatbot erstellt wurde, und fordert die S*S dazu auf, einzuschätzen, wie zuverlässig sie die Angaben vor diesem Hintergrund einschätzen würden.
- Hinweis: Im Quellenverweis zu der Liste ist diese Information offengelegt. Es wird aber auch erwähnt, dass die Redaktion die Angaben geprüft hat. Die Lehrkraft kann diese Information ergänzen, wenn die S*S nicht von selbst darauf kommen.
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10 . Arbeitsphase
Dauer 20 min- Die Lehrkraft kündigt an, dass die S*S sich nun mit einem Schiff auseinandersetzen werden, das nicht in der oben genannten Liste aufgeführt ist, und stellt den S*S die vorbereitete Reise der Germanic/Ottawa/ Gülcemal mit Hilfe der bereitgestellten Materialien (24 und 25) vor. Sie bittet die S*S, besonders auf die verschiedenen Personen zu achten, die mit dem Schiff gereist sind.
- Im Anschluss teilt die Lehrkraft die Klasse in vier Gruppen ein und bittet diese, sich jeweils einen Personentyp auszusuchen, der mit der Germanic/Ottawa/Gülcemal gereist ist, und sich Gedanken darüber zu machen, ob das Schiff selbst für die jeweilige Person eine Bedeutung hatte. Ggf. teilt die Lehrkraft die Hintergrundinformationen (Material 24) zur Unterstützung aus.
- Beispiele für die Personen:
> Ein Einwanderer aus Deutschland, der mit der Germanic in die USA reist.
> Ein türkischer Muslim, der im Rahmen des Bevölkerungsaustausches Griechendland verlässt und in die Türkei reist.
> Ein deutscher Soldat, der aus Isanbul nach Hamburg verschifft wird
> ein türkischer Grieche, der 1921 aus der Türkei nach New York auswandert.
- Die Gruppen arbeiten ihre Person aus, recherchieren historische Hintergründe im Internet und bereiten eine 2-3-minütige Kurzpräsentation der Ergebnisse vor. Darin zeigen sie, was an dem Ereignis und der Person für die Geschichte bedeutsam war und welche Rolle das Schiff dabei gespielt hat. Es ist wichtig, die Perspektive, aus der hier erzählt wird, präsent zu machen.
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11 . Ergebnispräsentation
Dauer 15 min- Die Lehrkraft bittet die S*S, sich bei den Kurzpräsentationen die jeweilige Bedeutung des Schiffes zu notieren und für die nächste Stunde zu merken.
- Abschließend stellt die Lehrkraft kurz das Konzept der Multiperspektivität vor und sagt, dass in der vorangegangenen Stunde eine Bewertung aus der gegenwärtigen Perspektive im Mittelpunkt stand, die auf den Forschungsergebnissen von Historiker*innen und anderen Expert*innen basierte. In dieser Stunde wurde die Perspektive der Zeitzeug*innen beleuchtet. Die drei Perspektiven (die Bewertung mit Gegenwartsbezug, die kontroverse Auseinandersetzung damit durch Expert*innen sowie die Perspektive der Zeitzeug*innen) sind bei der Bewertung historischer Ereignisse immer relevant.
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Stunde 4: Gewöhnliche Menschen in der Geschichte
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Lernziele
- Die S*S verstehen die Bedeutung der Sozialgeschichte, um ein ganzheitliches Verständnis der Geschichte zu erhalten. Hierzu wird die Bedeutung von alltäglichen Erfahrungen, agency und Beiträgen gewöhnlicher Menschen zu historischen Prozessen hervorgehoben.
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Vorbereitung
- Der Zeitplan für diese Stunde ist sehr eng. Ggf. prüft die Lehrkraft, ob bestimmte Elemente betont und andere dafür weggelassen werden sollen. Idealerweise steht eine Doppelstunde zur Verfügung.
- Die Lehrkraft bereitet ein Beispiel für die Geschichtsschreibung vor, in dem die Perspektiven von gewöhnlichen Menschen als Zeitzeug*innen der konventionellen Historiografie, basierend auf Schriftquellen, die vor allem die Perspektiven hochrangiger Offizieller widergeben, gegenübergestellt werden Hier kann die Lehrkraft ggf. auch Gespräche mit Zeitzeug*innen im NS-Kontext oder anderen Zusammenhängen (in Form von persönlichen Treffen oder auch audiovisuellen Zeugnissen oder Textdokumenten) aufgreifen, sofern dies bereits mit der Klasse stattgefunden hat, und diese dann dem Masternarrativ gegenüberstellen.
- Die technischen Voraussetzungen zur Präsentation der Videos (Materialien 27 und 28) sind sichergestellt.
- Die Lehrkraft fertigt ausreichende Kopien von Material 26 sowie der Materialien für die Gruppenarbeit (29–35) in jeweils ausreichender Anzahl an.
- Für die Gruppenarbeit stehen hinsichtlich der Voraussetzungen für die Bearbeitung und ggf. auch erforderlichen Fähigkeiten und Begabungen der S*S drei verschiedene Quellentypen zur Verfügung. Gruppe 1 arbeitet mit Material 29, in dessen Zentrum ein Lied (ohne Text) steht. Hier arbeiten die S*S neben einer Kurzbeschreibung des Inhaltes vor allem mit der Bedeutung des Klangs. Gruppe 2 arbeitet mit den Materialien 30 sowie 31 oder 32, in denen es um den Auszug aus einem Video zu dem Bevölkerungsaustausch geht (das auch in Material 28 enthalten ist). Der Auszug enthält sehr anschauliche Beschreibungen der Härte der Fluchterfahrung auf der Gülcemal und könnte daher für S*S, die selbst Fluchterfahrungen gemacht haben, retraumatisierend wirken. Die Lehrkraft sollte daher im Blick haben, welche S*S sich dieser Gruppe zuordnet, und ggf. einen Hinweis auf dieses Risiko geben oder ggf. S*S, die davon betroffen sein könnten, im Vorwege ansprechen. Das Video ist auf Türkisch, ein Transkript des originalsprachlichen Textes wird mit Material 31 angeboten. S*S, die kein Türkisch verstehen, erhalten eine deutsche Übersetzung des Transkriptes (Material 32). Gruppe 3 arbeitet mit Material 33 sowie 34 oder 35, in deren Zentrum ein Zeitschriftenartikel steht. Die Lehrkraft sieht sich den Artikel an und überlegt, ob er sich für alle oder nur bestimmte S*S eignet, und legt sich dementsprechend eine Strategie der Gruppenzuteilung zurecht. Das Original ist auf Türkisch (Material 34), eine deutsche Übersetzung (Material 35) ist ebenfalls verfügbar.
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12 . Einstieg
Dauer 5 min- Die Lehrkraft beginnt die Stunde, indem sie das vorbereitete Beispiel zur Geschichtsschreibung mit den verschiedenen Perspektiven (Sozialgeschichte und konventionelle Historiografie) vorstellt.
- Die bittet die S*S im Unterrichtsgespräch, die Unterschiede zwischen den Arten, sich der Geschichte zu nähern, herauszuarbeiten und zu überlegen, was diese zu ihrem eigenen Eindruck von dem historischen Ereignis beitragen.
- Im Anschluss kündigt die Lehrkraft an, dass es in dieser Stunde um die Sozialgeschichte gehen wird, einen Ansatz, der das Leben, die Erfahrungen und Kulturen gewöhnlicher Menschen ins Zentrum stellt. Bei der Sozialgeschichte geht um das alltägliche Leben, Glauben, kulturelle Praxis und Objekte. Die Sozialgeschichte ist sehr wichtig, es um einen ganzheitlichen Eindruck historischer Ereignisse, gesellschaftlicher Strukturen und kultureller Dynamiken zu gewinnen.
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13 . Überleitung
Dauer 15 min- Die Lehrkraft teilt den Text zum Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei im Jahr 1923 aus (Material 26).
- Nachdem die S*S den Text gelesen haben, bittet die Lehrkraft, zusammenzutragen, was sie über den Bevölkerungsaustausch erfahren haben.
- In Klassen, in denen die S*S gut Englisch verstehen, kann das Verständnis der Ereignisse durch das Abspielen eine zweieinhalbminütigen Kurzvideos (Material 27) gestützt werden. In dem hier vorliegenden Ablaufplan ist keine Zeit eingerechnet, sich damit ausführlich auseinanderzustezen, daher bietet es sich nur dann an, wenn die S*S den Inhalt direkt verstehen und das Ansehen des Videos allein ihr Verständnis der Ereignisse erweitert.
- Die Lehrkraft bereitet die S*S darauf vor, dass sie ein Video in türkischer Sprache sehen werden. Hierbei ist es nicht wichtig, zu verstehen, was die Menschen sagen, sondern es geht darum, die Eindrücke zu sammeln, die das Video vermittelt. Auch S*S mit eingeschränktem Hörvermögen können sich an der Übung beteiligen und mitteilen, welchen Eindruck die visuellen Impulse vermitteln; ggf. fällt es ihnen sogar leichter, mit der Tatsache umgehen zu können, nicht alles vollständig zu verstehen.
- Die Lehrkraft zeigt den Ausschnitt aus dem Video (Material 28). Sie bittet die S*S, ihre Eindrücke zu beschreiben. S*S, die die Aussagen der Zeitzeugin verstehen können, bitten die Lehrkraft, sich kurz zurückzuhalten, bevor sie hierauf eingehen.
- Im Anschluss regt die Lehrkraft an, das Video mit den vorangegangenen Unterrichtsstunden in Verbindung zu setzen.
- Erwartungshorizont: In dem Ausschnitt werden Menschen gezeigt, die von dem Bevölkerungsaustausch betroffen waren. Diese werden verschiedenen Schiffen, mit denen sie transportiert wurden, zugeordnet, was den Schiffen selbst (in dem Video und damit vielleicht auch in der Erinnerung der Menschen) eine große Rolle zuschreibt. Das Video ist auch ein Beispiel für Sozialgeschichte.
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14 . Arbeitsphase
Dauer 15 min- Die Lehrkraft teilt die S*S unter Berücksichtigung der Überlegungen, die sie sich vorab zur Gruppenzuweisung gemacht hat, in Kleingruppen ein und händigt diesen die entsprechenden Materialien aus:
> Gruppe 1 arbeitet mit dem Lied von Salih Korkut Peker (Material 29).
> Gruppe 2 arbeitet mit einen Auszug aus einem Dokumentarfilm mit dem Titel „Mübadele: 100 Yillik Hasret“ (Bevölkerungsaustausch: 100 Jahre Sehnsucht) (Materialien 30-32).
> Gruppe 3 arbeitet mit einem Artikel von Aytek Soner Alpan, mit dem Titel „Böyle Bir Sey Insanin Aklina Nasil Gelir, Anlamiyorum“ (Ich verstehe nicht wie jemand so etwas denken kann) (Materialien 33-35).
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15 . Ergebnispräsentation
Dauer 10 min- Die Gruppen tragen kurz zusammen, welche weiterführenden Informationen sie aus ihren Quellen über den Bevölkerungsaustausch gewonnen haben. Und stellen auch die Art der sozialgeschichtlichen Quelle vor.
- Zum Abschluss bittet die Lehrkraft die S*S um ihre Einschätzung, wie die Gülcemal selbst als historische Quelle betrachtet wird und welche Aspekte das Schiff zur Geschichtsschreibung zu dem Ereignis beitragen kann.
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Sie können auch die gesamte Materialsammlung zusammen mit dem kompletten Text dieser Unterrichtseinheit herunterladen.