Ein Schiff und seine Migrationsgeschichte
Von „Germanic“ zu „Gülcemal“
Sachinformation
Worum geht es?
Die „Gülcemal“ war ein Passagierschiff, das eine wichtige Rolle in verschiedenen Phasen der globalen Migrationsgeschichte gespielt hat. Ursprünglich lief sie im Jahr 1874 im Vereinigten Königreich unter dem Namen „Germanic“ das erste Mal vom Stapel, diente der White Star Line und transportierte zahlreiche europäische Migrant*innen in die Vereinigten Staaten. Wie viele Schiffe jener Zeit war sie Teil einer größeren transatlantischen Migrationsbewegung, bei der viele Millionen Europa auf der Suche nach neuen Möglichkeiten in Nordamerika verließen.
1911 wurde das Schiff von der osmanischen Regierung gekauft und in Gülcemal umbenannt. Unter dem neuen Namen wurde es Teil der osmanischen und später türkischen Geschichte. Die wichtigste Rolle spielte es während des griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausches von 1923 bis 1924, als es türkische Muslim*innen aus Griechenland in ihre neue Heimat in der Türkei brachte Diese Reise symbolisiert sowohl Vertreibung als auch einen Neuanfang und schreibt die Gülcemal tief in die kollektive Erinnerung an Migration im östlichen Mittelmeerraum.
Die Geschichte des Schiffes verkörpert verschiedene Dimensionen von Migration: freiwillige Auswanderung auf der Suche nach einem besseren Leben wie auch Zwangsumsiedlung im Rahmen internationaler Abkommen und politischer Umstände. Es bietet konkrete Fälle zur Untersuchung der interregionalen und intergenerationalen Verflechtung von Migrationsgeschichten an.
Auch bietet sich das Schiff als ein greifbarer Ausgangspunkt zur Diskussion von Fragen nach Mobilität, Verlust, Hoffnung und Transformation an. Seine multiplen Rollen im Laufe der Zeit und zwischen den Regionen machen es zu einem idealen Beispiel, um Schüler*innen (S*S) anzuregen, historische Fakten und persönliche und auch imaginierte Narrative zu Migration zu erfahren.
Welche Materialien werden verwendet?
Im Kern der Unterrichtseinheit stehen verschiedene Textquellen, die auf Deutsch (Materialien 6, 8, 11, 13 und 14) oder Türkisch (Material 34) vorliegen, im Bedarfsfall transkribiert sind (Materialien 7, 9, 10, 12, 26 und 31) und ggf. auch ins Deutsche übersetzt wurden (Materialien 32 und 35). Darüber hinaus kommen auch visuelle Quellen zum Einsatz (Materialien 4 und 21). Arbeitsblätter unterstützen die S*S dabei, die Quellen zu interpretieren (Materialien 15, 29, 30 und 33). Kurze Videos liefern Kontextinformationen oder dienen der Vertiefung (Materialien 18, 19, 27 und 28). Der Einstieg in bestimmte Themenfelder wird durch visuelle Impulse erleichtert (Materialien 16 und 17). Darüber hinaus unterstützen Abbildungen (Material 25) und eine Karte (Material 5) die Erschließung von Informationen. Die Lehrkraft erhält vertiefende Hintergrundinformationen, die teilweise auch mit den S*S geteilt werden können (Materialien 1, 2, 3, 20 und 24).
Sie können auch die gesamte Materialsammlung zusammen mit dem kompletten Text dieser Unterrichtseinheit herunterladen.